Sind wir der Trockenheit ausgeliefert? Alternative zur Bewässerung

Die aktuelle Trockenheit im Jahr 2022 führt uns wieder einmal vor Augen, wie abhängig die Landwirtschaft, die sich in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat, von einem idealen Klima ist.


Vielerorts wird in Deutschland, Österreich und der Schweiz über Wassermangel und Trockenheit berichtet. Drohende Ernteausfälle und zum Teil schon erlittene Ernteeinbußen verleihen diesem Thema eine besondere Relevanz, denn letztendlich werden staatliche Subventionen lediglich Schadensbegrenzung leisten und Abhängigkeit generieren. Es stellt sich die Frage, ob man der Dürre ausgeliefert ist, oder ihr etwas entgegensetzen kann.

links Dammmais nach Turiel, rechts Flachanbau, im Dürrejahr 2018 in Niederösterreich.

Vor allen Überlegungen gilt es klarzustellen, dass der Klimawandel nicht die Ursache der Probleme ist, sondern nur die Symptome - Erosion, gehemmte Wasserspeicherfähigkeit etc. - verstärkt, die auf funktionsgehinderten Böden anzutreffen sind und eine Herausforderung darstellen. Wassermangel tritt in erster Linie dann auf, wenn der Boden nicht in der Lage ist Feuchtigkeit aufzunehmen und zu halten. Die Aufnahmefähigkeit wird durch die Struktur des Bodens bedingt. Er sollte Elastizität und Stabilität besitzen. Für diese Eigenschaften steht der Begriff „Ton-Humus-Komplex“. Mangelt es im Boden daran, so verschlämmt er nach den ersten Regentropfen und verschließt seine Poren. Regnet es anhaltend auf geneigtem Boden, fließen Wasser und Schlamm wie ein Bach. Auf ebenen Böden entstehen Wasseransammlungen. Mit diesen Bildern müsste mittlerweile schon jeder Landwirt vertraut sein.

Dem verschlämmten Boden wird das Wasser durch den Kapillareffekt entzogen, denn er bildet von den tiefen Schichten bis zur Oberfläche eine Einheit. Dieser Effekt wird von einer glatten Erdoberfläche, typisch für zuvor überschwemmte Böden, nur gefördert. In Verbindung mit der erhöhten Temperatur, zieht der Wind das Wasser aus dem Boden. Auf der glatten Oberfläche passiert das mühelos, vergleichbar mit dem Händetrockner. Wie aber sind wir an den Punkt gekommen, dass der Ackerboden unfähig geworden ist, mit dem Wasser hauszuhalten? Folgenschwer ist, dass die Masse der heutigen landwirtschaftlichen Betriebe einerseits auf schwere Gerätschaften vertraut und andererseits auf Maschinen setzt, welche den Boden mechanisch schneiden, walzen, zerschlagen, verdichten und jegliche Struktur zerstören. Diese Art der pulverisierenden Bodenbearbeitung baut den Ton-Humus-Komplex ab - jene sensible Ordnung, die nur durch die Natur entsteht und mit welcher vorsichtig umgegangen werden muss.

Unter diesen Voraussetzungen bleiben nur wenige Möglichkeiten fruchtbringende Erträge einzufahren. Eine für unsere Zeit typische Symptom-Behandlung ist es auf Bewässerung zu setzen. Mit dieser Methode werden die Kulturpflanzen künstlich am Leben erhalten. Diese Aufgabe sollte eigentlich dem Boden zukommen, welcher die Wasserversorgung langfristig und günstiger zur Verfügung stellt. Sind die Böden jedoch in ihrer Struktur zerstört, geben sie schon nach wenigen Tagen kein Wasser mehr ab und die Pflanzen zeigen Trockenstresssymptome. Auch die Bodenlebewesen sind auf die Wasserversorgung angewiesen. Ein komplett trockener Boden, wie er durch die schädigende Bewirtschaftung entstehen kann, verliert jegliche Struktur und ist der Erosion ausgeliefert – ein Teufelskreis. Durch die Bewässerung wird das angesprochene, grundsätzliche Problem nicht dauerhaft gelöst.

Die traditionelle Dammkultur ist eine Alternative, die an der Wurzel des Problems ansetzt. Sie schließt Krafteinflüsse wie das herkömmliche Walzen, Schneiden, und Zerschlagen des Bodens aus. Ziel ist, Hilfe für die Entfaltung des natürlichen Milieus im Boden zu leisten und eine echte Gare zu fördern. Das bedeutet, auf dem Acker Verhältnisse zu schaffen, die eine Entwicklung des Bodenlebens und Wurzelwachstum unterstützen. Das zentrale Prinzip im ursprünglichen Ackerbau ist, durch die Erhebung und Aufschließung des Bodens, durch den Damm, das mikrobielle Leben und den dauerhaften Luftaustausch, vergleichbar einem Lungensystem, in Gang zu setzten. Diese Ackerbaukultur baut den Ton-Humus-Komplexe auf. Durch seine Eigenschaft Wasser zu speichern beugt diese besondere Bodenstruktur vor Verschlämmung und Erosion.

Zurecht kann man sich nun fragen, ob ein luftiger Boden, der eine deutlich größere Oberfläche besitzt als im Flachanbau, nicht viel anfälliger für Wasserverdunstung wäre. Die Praxis zeigt das Gegenteil: Die große Oberfläche begünstigt die Kondensierung des Morgentaus an den Dämmen. Die Täler zwischen den Dämmen und ihre Unebenheiten erzeugen Luftverwirbelungen die verhindern, dass der Wind widerstandslos über die Erde fegt und ihr die Feuchtigkeit entzieht.


Die Ordnung und Intensität des Lebens im Boden hat eine viel entscheidendere Rolle bei der Beurteilung der Ernteausfälle als der vielzitierte Klimawandel. Dass der Boden nicht mehr in der Lage ist Wasser zu speichern, liegt einerseits an der Abnahme des Ton-Humus-Komplexes. Andererseits wird diese Funktionshinderung durch die ungünstige Beschaffenheit der Erde im Flachanbau unterstützt. Die Alternative ist die Dammkultur. Sie hat sich schon seit Jahrhunderten in Regionen bewährt, die von Trockenheit geplagt sind. Sie baut den Ton-Humus-Komplex nicht nur auf, sondern bietet durch die Möglichkeit des Hackvorgangs bei allen Kulturen auch eine Unterbrechung des Kapillareffekts unterhalb der Oberfläche. Die Feuchtigkeit steigt auf diese Weise nicht bis ganz oben und bleibt im Bereich der Wurzeln. Außerdem hat der Damm durch die vergrößerte Erdoberfläche eine günstige Form für die Taubildung - also mehr Feuchtigkeit, die aufgefangen und gehalten wird.


Weizenwurzeln ca 0,5mm mit Mykorrhizabesatz nach der Ernte 2022

Ein Faktor, der bei dem Thema Trockenheit in der Landwirtschaft nicht beachtet wird, ist die Rolle der Mykorrhiza-Pilze. Sie haben die Fähigkeit, Feuchtigkeit aufzunehmen und der Kultur im Tausch für Zucker weiterzugeben, wenn die Kulturpflanze selbst wenig, bis kein Wasser über die Wurzeln aufnehmen kann. Die Symbiose mit dem Pilz macht die Pflanze daher widerstandsfähiger gegen Trockenstress und erhöht die Chancen eines zufriedenstellenden Ertrags.


Damit diese natürliche Hilfe der Pflanze verfügbar ist, sind jedoch einige Bedingungen erforderlich. Die erste Bedingung, ist die Verfügbarkeit von Sauerstoff, die nur in einem lockeren, porösen Boden mit einer natürlichen Gare möglich ist. Mykorrhiza-Pilze wachsen nur dort, wo Sauerstoff vorhanden ist. Eine weitere Bedingung ist, dass der Boden nicht durch chemische Stoffe oder eine falsche Düngung belastet ist. Diese Pilze sind äußerst sensibel und reagieren auf viele Einflüsse, wie auch auf eine übermäßige Bodenbearbeitung, die Bodenstruktur zerstört.


Um Trockenstress in der Landwirtschaft vorzubeugen, sollte die Kultivierung von Mykorrhiza-Pilzen durch eine geeignetes Anbausystem Priorität sein – die Dammkultur nach traditionellen Prinzipien kann hier eine Schlüsselrolle spielen, denn sie erfüllt die beiden wichtigsten Voraussetzungen. Das Mikroklima im Damm sorgt für aerobe Verhältnisse und damit für die Überlebensgrundlage der Mykorrhiza. Das intensive Bodenleben unterstützt eine optimale Umsetzung von organischem Material; ideale Bedingungen für die Symbiose zwischen Pilz und Kulturpflanze.


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