Dammkultur: Eine ganzheitliche Methode für landwirtschaftliche Vielfalt


Die Dammkultur ist eine wiederentdeckte Methode der Landwirtschaft, die es ermöglicht, mit geringem Maschinen- und Energieeinsatz, vielfältige Kulturen in höchster Qualität anzubauen. Sie eignet sich besonders für Betriebe, die eine ökologische Wirtschaftsweise anstreben und eine Vielfalt an Kulturen anbauen möchten. Aktuell wird die Dammkultur im Ackerbau, Gemüsebau, in Spezialkulturen wie Mohn, Hanf, Kräuter, dem Kürbis- und Knoblauchanbau erfolgreich angewendet.



Vorteile

Die Vorteile dieser Anbauform gewinnen in Zeiten klimatischer Veränderung, hohem Unkrautdruck und steigender Energiekosten an Bedeutung. Kulturen, die mit aufgehäuften Dämmen angebaut werden – sei es Getreide, Gemüse oder Obst – profitieren bei extremer Trockenheit und ebenso bei Starkregen von der Form des Dammes sowie der biologischen Prozesse, die im durchwurzelbaren Bereich des Bodens stattfinden. Die Kulturen sind deutlich gesünder und bringen deshalb einen Mehrertrag, der sich in Menge und insbesondere auch in der Qualität der Frucht widerspiegelt.


Der verringerte Maschineneinsatz ergibt sich durch schonende Bodenbearbeitung, die die Struktur im Boden aufbaut, anstatt sie mechanisch zu zerstören. Dämme werden mithilfe schmaler Grindel, die im Boden laufen, aufgehäuft – nicht gefräst oder gepresst! Das Ergebnis ist ein lockerer Boden, der beim nächsten Regen nicht verschlämmt und daher von den Pflanzen wesentlich tiefer und intensiver verwurzelt wird als im Flachanbau. Darauffolgende Arbeitsgänge erfordern somit von Jahr zu Jahr schrittweise weniger Energie. Bei schweren Böden kann der geringere Arbeitsaufwand schon im zweiten Jahr, durch den Bodenaufbau, deutlich zu spüren sein.




Die mechanische Unkrautbekämpfung ist trotz vieler technologischer Neuheiten immer noch ein Thema. Der gelockerte Boden, der das Wurzelwachstum der Kulturpflanze begünstigt, macht es auch möglich, Unkraut gezielt zum Keimen zu bringen. Die innovative Hacktechnik aus dem Hause Turiel ermöglicht gezielte Unkrautbekämpfung vor der Saat aber auch während der Vegetationsperiode. Gehackt wird mit Paddel (ein eigen entwickeltes Hackwerkzeug), die in den vorgezogenen Rillen der Grindel laufen. Das Werkzeug ist selbstgeführt: Auf RTK oder Kamerasteuerung kann daher verzichtet werden. Der Hackrahmen führt sich selbst, weil die Grindel den Weg des geringsten Widerstands gehen, nämlich die gelockerte Furche zwischen den Reihen. Diese äußerst präzise Führung erlaubt, dass die Paddel sehr nah an die Pflanze kommen. Weil sie versetzt laufen, verschieben sie die Dammkrone in die eine- und andere Richtung. So werden Unkräuter auch zwischen den Pflanzen in der Reihe bekämpft.



Gemüse- und Ackerfrüchte profitieren von dieser Art des Anbaus gleichermaßen. Für den Ackerbau ergibt sich die Möglichkeit der frühen Saat bei Wintergetreide. Das Getreide kann sich vor dem Winter gut entwickeln, weil der Damm viel Platz bietet und die Kultur nicht zu einen Wachstumsstopp kommt. Die Verunkrautung auf dem Damm kann mit der Hacktechnik schon vor dem Winter effektiv kontrolliert werden. Solch eine frühe Saat unterstützt die Pflanzengesundheit und spart abhängig von dem Saatzeitpunkt bis zu 50% an Saatgut, weil das Getreide vor den kalten Monaten ausreichend Zeit hat, um sich zu bestocken.



Bei anspruchsvollen Hackfrüchten ist die Methode des Unkraut-zum-keimen-bringen-und-Entfernen besonders wirkungsvoll. In Frühjahrskulturen wie Möhren, die allgemein als schwierig gelten, können bei günstiger Witterung bis zu drei „Unkrautwellen“ noch vor dem Keimen der Hauptkultur beseitigt werden. Das ist möglich, weil bei der Bodenbearbeitung das gesamte Volumen an Erde im Damm gelockert wird und so die Unkrautsamen zum Keimen angeregt werden. Auf diese Weise können im Gemüsebau Jätarbeiten auf ein Drittel, oder mehr, reduziert werden. Der Dammanbau hat daher gegenüber anderer Anbausysteme besonders positive Eigenschaften in der Vorbereitung und Pflege.





Im Mittelpunkt der Dammkultur steht der Boden und seine Gesundheit. Das durch die Form vergrößerte Volumen an Erde, welches durchlüftet wird, setzt eine Reihe von Prozessen in Gang. Einerseits intensiviert sich das Wurzelwachstum, andererseits finden deshalb auch mehr Lebewesen einen Lebensraum. Das baut den Boden auf, zu einer Struktur, die als Ton-Humus-Komplex bezeichnet wird. Humus entsteht durch die Verbindung von tierischen und pflanzlichen Leben. Dieser Dauerhumus ist stabil und wird nicht sofort zerstört, wenn der Boden mechanisch zermahlen wird. Dauerhumus wird dann erst durch den Lebenszyklus im Boden, der Vermehrung, Leben und Sterben von Bakterien und Mikroorganismen zu Ton-Humus. Diese Umwandlung findet vor allem in der Feinverwurzelung der Pflanzen statt und verleiht ihm einzigartige Eigenschaften. Ton und Mineralien machen den Boden stabil, Humus macht ihn elastisch. Der Ton-Kern ist mit einem hauchdünnen Mantel aus Humus umhüllt, der ein Aneinanderkleben verhindert. So entsteht eine stabile und poröse Struktur, die bei gleicher Masse, ein deutlich größeres Volumen aufweist. Dieser Boden hat eine natürliche Spannung. Sie führt dazu, dass Wassertropfen sofort aufgesogen werden, und nicht wie bei strukturlosem Boden lediglich über den Acker rollen und sich nicht mit ihm verbinden.


Maßnahmen wie eine frühe Wintersaat helfen daher den Boden in einem stabilen Zustand zu halten, weil der ganze Damm bis in die Furche durchwurzelt ist. Die Kulturpflanze verhindert auf diese Weise, dass Nährstoffe ausgewaschen werden und Wurzelunkräutern zugutekommen. Eine frühe Saat ist deshalb auch gleichzeitig Schutz vor Nährstoffauswaschung und nimmt den Wurzelunkräutern wie Disteln und Ampfer die Lebensgrundlagen.




Ein aufgebauter Boden ist entscheidend für die Gesundheit der Pflanze, denn er verschlämmt nicht. Das Wurzelgeflecht im Zusammenhang mit vielen Würmern, Mykorrhiza-Pilzen und Mikroorganismen verleihen der Erde Struktur und Stabilität. Auch bei starkem Regen bleiben die Bodenteilchen miteinander verbunden und lösen sich nicht voneinander - solche Böden verschlämmen nicht. Das hat zur Folge, dass der Kapillareffekt das Wasser nicht bis an die Oberfläche bringt. Ein Boden mit diesen Eigenschaften weist deshalb eine hohe Wasserspeicherkapazität auf; er „atmet“ noch, wenn andere Böden schon gesättigt sind und sich bei Hanglage Bäche aus abfließendem Wasser bilden. In einem Boden mit Struktur entsteht kein Luftmangel und das Wachstum der Kulturpflanze stagniert nicht – die Pflanze ist deshalb weniger anfällig für Krankheiten und vital in ihrer Entwicklung. In Trockenperioden hält das „Eigenleben“ – die Mikroorganismen und die Mykorrhiza-Symbiose mit den Wurzeln – die Feuchtigkeit im Damm. In extremen Witterungsbedingungen ist die Pflanze stets in der Lage, sich optimal zu entwickeln. Das führt dazu, dass sie ihr Ertragspotential ausschöpfen kann. In der Dammkultur können auch im Ökolandbau hohe Erträge erzielt werden. Bei der Qualität ist dies durchgehend der Fall. So werden regelmäßig höhere Proteinwerte in dem Getreide erzielt, 1-2% mehr als bei herkömmlichen Anbaumethoden. Das allein kann unter Umständen schon einen wesentlichen Mehrwert für den Ertrag bedeuten.


Geschichte der Dammkultur

Die Geschichte der Dammkultur geht tausende Jahre zurück. Unter Kleinbauern in Asien und dem ehemaligen Mesopotamien ist diese Methode noch heute vertreten. Sie verbreitete sich in vielen Teilen der Erde und auch Europa. In Nordwestspanien – der Heimat von Julian Turiel – hat der Dammanbau eine über 800-jährige Tradition. Bis in die 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurde der einscharige Häufelpflug von Pferden oder Kühen gezogen. Auch im norddeutschen Raum war dieser Pflugtyp unter dem Namen „Mecklenburger Haken“ im Einsatz. Bemerkenswert ist, dass diese Form der Landwirtschaft besonders in ariden, von Trockenheit geplagten Gegenden am längsten Bestand hatte. Im Zuge der Industrialisierung des Landbaus geriet diese Methode innerhalb einer Generation in Vergessenheit. Ohne großartige Aufzeichnung oder mündliche Weitergabe des Wissens, gibt es lediglich einige alte Bauern, die die Dammkultur noch aus der Praxis kennen. Den Übergang von Dammanbau mit Rind, hin zu konventionellem Flachanbau mit Traktor hat Julian in seiner Jugend in der von armen Böden geprägten Gegend Aliste (Kastilien) in Spanien, noch im elterlichen Betrieb miterlebt. Als Julian Ende der 80er Jahre nach Deutschland ging, um den ökologischen Landbau zu erlernen, war er überrascht, denn er war mit der Überzeugung gekommen, alle Kulturen auf Dämmen vorzufinden. Vertraut mit den Vorteilen des Dammanbaus, entschloss er, sich der Entwicklung einer neuartigen Maschine zu widmen, die diese Form der Landwirtschaft auch mit einem Trecker erlaubt. So entwickelte er die ersten Geräte, die die Umsetzung der Dammkultur in der modernen Landwirtschaft ermöglichen.


Methode in der Praxis

Heute ist die Dammkultur nach Turiel am meisten in Süddeutschland und Österreich vertreten. Mehrere hundert Landwirte haben für sich die Vorteile der Dammkultur erkannt und ihre Betriebe umgestellt. Die ersten Kunden wagten den Schritt hin zur Umstellung noch während der Entwicklungsphase der Technik, vor über 20 Jahren. Seit 10 Jahren ist sie serienreif und wird auf unterschiedlichsten Betrieben eingesetzt. Von Betrieben mit nur wenigen Hektar im Gemüsebau bis hin zu Ackerbaubetrieben mit über 800 ha Fläche ist alles dabei. Die Besonderheit bei diesem Anbausystem – Ein kleiner Betrieb kann schon mit einem Gerät alle Kulturen anbauen, von Bodenbearbeitung, Saat (mit aufgebauter Sämaschine) bis hin zum Hacken ist alles zu bewerkstelligen. Zugute kommt das besonders Einsteigern, die mit einem geringen Startkapital vielfältig wirtschaften können. Nicht selten kann der Einstieg in das Dammkultur-System schon durch den Verkauf von Striegel und anderen vorhandenen Geräten finanziert werden.


Aufgrund von fehlendem Wissen, über die Vorgehensweise in dieser Anbauform, besteht großer Beratungsbedarf. Julian Turiel ist daher seit vielen Jahre unermüdlich im Einsatz. Zusammen mit seiner Mannschaft leistet er Aufklärungsarbeit. Sie besteht aus Praxisveranstaltungen in Form von Feldtagen und Seminaren in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Zusätzlich werden regelmäßig neue Informationen auf der Webseite und den Sozialen-Medien kostenlos zur Verfügung gestellt. Bei der Umstellung bekommt man automatisch Zugang zu der aktiven Praktiker-Community damit der Austausch unter Landwirten gefördert wird und Fragen in der Gruppe besprochen werden können. Außerdem steht Julian Turiel allen Praktikern und Interessierten mit seiner 50-jährigen Erfahrung bei Fragen zur Verfügung.



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