Mais auf Damm neben Mais flach angebaut

Sind wir der Trockenheit ausgeliefert?

Alternative zur Bewässerung

Die Trockenheit im Jahr 2018 hat uns wieder einmal vor Augen geführt, wie abhängig die Landwirtschaft, die sich in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat, von einem idealen Klima ist. Große Ernteausfälle in Deutschland, Österreich und vielen anderen Ländern verleihen diesem Thema eine besondere Relevanz, denn letztendlich werden staatliche Subventionen lediglich Schadensbegrenzung leisten und Abhängigkeit generieren. Es stellt sich die Frage, ob man der Dürre ausgeliefert ist, oder ob man ihr etwas entgegensetzen kann.

Vor allen Überlegungen gilt es klarzustellen, dass der Klimawandel nicht die Ursache der Probleme ist, sondern nur die Symptome - Erosion, gehemmte Wasserspeicherfähigkeit etc. - hervorruft, die auf funktionsgehinderten Böden anzutreffen sind, und eine Herausforderung darstellen. Wassermangel tritt in erster Linie dann auf, wenn der Boden nicht in der Lage ist Feuchtigkeit aufzunehmen und zu halten. Die Aufnahmefähigkeit wird durch die Struktur des Bodens bedingt. Er sollte Elastizität und Stabilität besitzen. Für diese Eigenschaften steht der Begriff „Ton-Humus-Komplex“. Mangelt es im Boden daran, so verschlämmt er nach den ersten Regentropfen und verschließt seine Poren. Regnet es anhaltend auf geneigtem Boden, fließen Wasser und Schlamm wie ein Bach. Auf ebenen Böden entstehen Wasseransammlungen. Mit diesen Bildern müsste mittlerweile schon jeder Bauer vertraut sein.

Dem verschlämmten Boden wird das Wasser durch den Kapillareffekt entzogen, denn er bildet von den tiefen Schichten bis zur Oberfläche eine Einheit. Dieser Effekt wird von einer glatten Erdoberfläche, typisch für zuvor überschwemmte Böden, nur gefördert. In Verbindung mit der erhöhten Temperatur, zieht der Wind das Wasser aus dem Boden. Auf der glatten Oberfläche er ein leichtes Spiel, die Feuchtigkeit wegzublasen. Vergleichbar mit dem Haar-Fön oder dem Händetrockner.
 
Wie aber wird der Ackerboden in jenen Zustand gebracht, in dem er unfähig ist, mit dem Wasser hauszuhalten? Folgenschwer ist, dass die Masse der heutigen Landwirtschaft einerseits auf schwere Gerätschaften vertraut und andererseits auf Geräte setzt, welche den Boden mechanisch schneiden, walzen, zerschlagen, verdichten und jegliche Struktur zerstören. Diese Art der pulverisierenden Bodenbearbeitung baut den Ton-Humus-Komplex ab - jene sensible Ordnung die nur durch die Natur entsteht und mit welcher vorsichtig umgegangen werden

muss. 

Unter diesen Voraussetzungen bleiben nur wenige Möglichkeiten fruchtbringende Erträge einzufahren. Eine für unsere Zeit typische Symptom-Behandlung ist es auf Bewässerung zu setzen. Mit dieser Methode werden die Kulturpflanzen künstlich am Leben erhalten. Diese Aufgabe sollte eigentlich dem Boden zukommen, welcher die Wasserversorgung nicht nur langfristig zur Verfügung stellt, sondern auch günstiger. Sind die Böden jedoch in ihrer Struktur zerstört, geben sie schon nach wenigen Tagen kein Wasser mehr ab und die Pflanzen zeigen Trockenstresssymptome. Auch die Bodenlebewesen sind auf die Wasserversorgung angewiesen. Ein komplett trockener Boden, wie er durch strukturschädigende Bewirtschaftung entstehen kann, verliert jegliche Struktur und ist der Erosion ausgeliefert – ein Teufelskreis. Durch die Bewässerung wird das angesprochene, grundsätzliche Problem nicht dauerhaft gelöst.

Die traditionelle Dammkultur hingegen ist eine Alternative, die an der Wurzel des Problems ansetzt. Sie schließt Krafteinflüsse wie das herkömmliche Walzen, Schneiden, und Zerschlagen des Bodens aus. Ziel ist, Hilfe für die Entfaltung des natürlichen Milieus im Boden zu leisten, eine echte Gare zu fördern und den Acker auf eine höhere Ebene der Lebensverhältnisse zu heben. Das zentrale Prinzip im ursprünglichen Ackerbau ist, durch die Erhebung und Aufschließung des Bodens, durch den Damm, das mikrobielle Leben und den dauerhaften Luftaustausch, vergleichbar einem Lungensystem, in Gang zu setzten. Diese Ackerbaukultur hilft beim Aufbau des Ton-Humus-Komplexes, der Fähigkeit Wasser zu speichern und damit auch der Vorbeugung von Verschlämmung und Erosion, aber auch bei der Entfaltung der natürlichen Nährstoffprozesse.

Zurecht kann man sich nun fragen, ob ein luftiger Boden, der eine deutlich größere Oberfläche besitzt als im Flachanbau, nicht viel anfälliger für Wasserverdunstung wäre. Die Praxis zeigt das Gegenteil: Die große Oberfläche begünstigt die Kondensierung des Morgentaus an den Dämmen. Die Täler zwischen den Dämmen und ihre Unebenheiten erzeugen Luftverwirbelungen die verhindern, dass der Wind widerstandslos über die Erde fegt und ihr die Feuchtigkeit entzieht.

Die Ordnung und Intensität des Lebens im Boden hat eine viel entscheidendere Rolle bei der Beurteilung der Ernteausfälle als der vielzitierte Klimawandel. Dass der Boden nicht mehr in der Lage ist Wasser zu speichern, liegt einerseits an dem abnehmenden Ton-Humus-Komplex. Andererseits wird diese Funktionshinderung durch die ungünstige Beschaffenheit im Flachanbau unterstützt. Die bessere Alternative hingegen ist die Dammkultur. Sie hat sich schon seit Jahrhunderten in Regionen bewährt, die von Trockenheit geplagt sind. Sie baut den Ton-Humus-Komplex nicht nur auf, sondern bietet durch die Möglichkeit des Hackvorgangs auch eine Unterbrechung des Kapillareffekts und eine günstige Form für die Taubildung - also mehr Feuchtigkeit, die aufgefangen und gehalten wird.

Dammkultur nach Julian Turiel