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Ackerbau der Zukunft

Am Beispiel von Distel und Ampfer

Wieso kommen Ampfer und Disteln in der Natur nicht so massiv vor, wie auf vielen Äckern? Man sollte sich mit den Ursachen auseinandersetzen, um sich langfristig von Ampfer und Distel zu befreien, ohne sie aktiv bekämpfen zu müssen.

 

Ursachen für Ampfer und Disteln in der Landwirtschaft Distel und Ampfer erscheinen oftmals gemeinsam. Sie haben einen Zweck: Ampfer behandelt die Vergiftung im Boden, Disteln beseitigen die Nährstoffauswaschung. Die Hauptgründe dafür, dass sich Ampfer und Disteln immer weiter ausbreiteten, sind die Zerstörung des Ton-Humus-Komplexes* und eine falsche Düngung. Ein Boden mit intaktem Ton-Humus-Komplex verschlämmt auch bei hohem Niederschlag nicht. Er ermöglicht eine Luftzirkulation und lässt keine Risse im Boden entstehen. Bei einem zerstörten Ton-Humus-Komplex verschlämmt der Boden schon bei wenig Niederschlag. Besonders bei feinem, lehmigem Boden verschließt er sich sehr schnell. Die Folge davon ist, dass keine Luft mehr eindringen kann. Bodenleben wie aerobe Bakterien und Mikroben sterben und eine Art Vergiftung breitet sich aus. Ähnliches kann geschehen, wenn man Gründüngung oder frisches Kleegras, zu früh einarbeitet. Zunächst kommt es zu einem Silierungsprozess, dann besteht die Gefahr, dass sich Fäulnis bildet. Genau diesen Zustand des Bodens nutzen Ampfer und Distel, um zu wachsen und dominant zu werden. Auch kann es sein, dass die giftigen Stoffe, auf die Ampfer reagiert, mit der Düngung oder durch andere Mittel, auch nicht-organische, auf den Acker gebracht werden. Düngemittel, die sich in anaeroben Milieus befinden, sind zum Beispiel Gülle und Tiefstallmist, der unter Luftabschluss gelagert ist.

 

Aufgabe von Ampfer und Disteln im Boden Ist der Boden in dem zuvor beschriebenen Zustand, so kommt Ampfer zu Hilfe. Denn die Aufgabe dieser Pflanze ist es, Giftstoffe abzubauen, zu neutralisieren und umzusetzen. Man kann beobachten, dass der Boden um die Pflanze herum einen scharfen, würzigen und anregenden Geruch ausbreitet und nicht unangenehm riecht. Eine weitere Anzeige für die positive Auswirkung des Ampfers ist das Auftreten von Regenwürmern, die sich besonders zwischen dem mächtigen und ebenso feinen Wurzelwerk des Ampfers aufhalten, welches sich in alle Richtungen entfaltet. Die Aufgabe der Distel ist es, Auswaschungen, schlechte Düngung und für die Kulturpflanze unverfügbare Nährstoffe, zu beheben. Die Distel braucht diese abgelagerten Nährstoffe als Existenzgrundlage. Folglich gedeiht die Distel umso besser, je größer die beschriebenen Probleme im Boden sind. Die Distel spiegelt also den Bodenzustand in seiner Entwicklung wieder: Je besser ausgebildet die Pflanze ist, desto mehr kann man auf die genannten Probleme schließen. 

 

Ampfer und Distel überflüssig machen Die Kunst, Ursachen und Auswirkungen in der Praxis in den Griff zu bekommen, liegt darin, den Boden gesund zu pflegen. Es sollte keine Zeit verschwendet werden zu versuchen, Ampfer durch einen zusätzlichen Bearbeitungsvorgang auszurotten. Man kann Ihn durch Pflanzen ersetzen, die seine Aufgabe übernehmen, wie zum Beispiel durch Kreuzblütler, oder ihn zusammen mit einer Zwischenfrucht auf dem Damm wachsen lassen, sodass er mithilft den Boden zu entgiften. Diese Methode wurde in der Praxis mit gutem Ergebnis getestet. Sie wirkt sich in der Dammkultur besonders positiv aus. Es entsteht eine Art Lungensystem, dass das anaerobe Milieu, welches für die Giftbildung im Acker verantwortlich ist, in ein aerobes Milieu umwandelt. Auf dieser Grundlage kann im Boden ein aktiver Gasaustausch stattfinden und die für die Landwirtschaft notwendigen Bakterien werden gefördert.

 

Beim Anbau der Zwischenfrucht bieten Kreuzblütler, bis auf den Senf, ähnliche Eigenschaften wie Ampfer. Sie scheiden für den Boden anregende Bitterstoffe über die Wurzeln aus. Diese Stoffe bringen das Leben im Boden wie Verdauungsprozesse in Schwung. Ein wichtiger Nebeneffekt der Kreuzblütler ist, dass sie den Stickstoff, der sich bei der Auswaschung an der Pflugsohle ablagert, für die Kulturpflanze zugänglich machen. Dadurch übernehmen sie die Aufgabe der Disteln und machen sie überflüssig. Noch besser wäre es, einen Kreuzblütler in die Fruchtfolge einzugliedern, weil er so intensiver und über längere Zeit auf den Boden einwirkt. Wird beispielsweise Wintergetreide gesät, kann es hilfreich sein, dies möglichst früh durchzuführen. Damit der Bestand durch die Bestockung nicht zu dicht wird, sollte dünn gesät werden! Wenn der Bestand zu dicht wird, kann es sein, dass die Kulturpflanze im Frühjahr anfängt zu „reduzieren“ und Halme absterben lässt, da sie nicht alle gleichzeitig versorgen und Ähren bilden kann. Die Kultur hat Zeit vor dem Winter den ganzen Ackerboden intensiv zu durchwurzeln und ihn bis in den Frühling in einen durchlockerten und offenen Zustand zu halten. So ein Vorgehen beugt der Auswaschung vor und man vermeidet die Disteln.

 

Dieses Beispiel im Flachanbau anzuwenden ist kaum möglich, das beschriebene, “Lungensystem” fehlt und der Boden wird nicht ausreichend durchwurzelt. Die Wurzeln haben nicht genügend Platz, da zu wenig belüftete Erde vorhanden ist. Es folgt ein Wachstumsstopp, was die Pflanze anfällig für Pilzbefall macht. Anders als bei der Dammkultur, denn sie bietet einerseits ideale Bedingungen für die Kulturpflanze, andererseits macht sie in Kombination mit einer gut gewählten Zwischenfrucht Ampfer und Disteln überflüssig.

 

Es wurde im Vorausgehenden gezeigt, wie Schadstoffe und anaerobe Prozesse die Entwicklung der meisten Kulturpflanzen hemmen. In der Natur übernehmen Ampfer und Distel die Entgiftung des Bodens. Zusätzlich nehmen Disteln die unverfügbaren Nährstoffe auf, die sich an der Pflugsohle sammeln. Ganz nebenbei schützt sie damit unser Grundwasser, welches von toxischem Nitrit verunreinigt wird.

 

Die Funktionen beider Pflanzen im Ackerbau sind einerseits die Umsetzung- und andererseits das Abfangen von Stoffen, um ein gesundes Milieu zu schaffen. Alle Probleme, die in der Landwirtschaft auftauchen haben eine Ursache. Man muss sich mit wichtigen Fragen auseinandersetzen, um ein tieferes Verständnis für den Nutzen und Sinn der Naturpflanzen bemühen, statt es als Unkraut abzutun.

 

 

*Zerstörung des Ton-Humus-Komplex Ein Grund kann die falsche Bodenbearbeitung sein, bei der der Boden feingemahlen wird. Die natürliche Ordnung des Ton-Humus-Komplex wird aufgebrochen und er zerfällt in seine Bestandteile. Der naturbelassene Aufbau ist ein Tonkern, der von einer Humusschicht umhüllt wird. Diese Umkleidung aus Humus verhindert, dass der Boden verklebt – egal wie viel es regnet. Der Boden ist vor Verschlämmung geschützt.  Die Ordnung kann nur natürlich hergestellt werden. Das Wurzelwachstum ist dabei ein wichtiger Faktor: Die Feinverwurzelung entsteht in dem Bereich des Bodens, in dem ein Luftaustausch stattfindet. Dieser ist bei der Dammkultur wesentlich größer als beim Flachanbau. Dasselbe gilt für die Mykorrhizen, die im Wurzelbereich in einer Symbiose mit der Kulturpflanze leben und gedeihen können. Voraussetzung ist, dass der Boden nicht mit chemischen oder organischen Giften belastet ist.

Dammkultur nach Julian Turiel